Sinn & Übergang

 

 

"Die Psychoneurose ist im letzten Verstande
 ein Leiden der Seele, die ihren Sinn nicht gefunden hat."

 

- C. G. Jung -                  

 

Es ist kein Geheimnis, dass eine einseitige Lebensweise sich auf Dauer in jedem Menschen irgendwie bemerkbar macht.

 

Diese Einseitigkeit zeigt sich beispielsweise in exzessivem Sport, kompromisslosem Karrierestreben oder in der totalen Aufopferung für Menschen oder eine Idee. Nach einer Weile klopft sie dann in Gestalt einer Migräne, Depression oder Panikattacke an deine Tür, um dich an dein Zutun zu erinnern und dich zu mehr Ganzheit zu inspirieren. Manchmal verstehen wir ihre Message, manchmal nicht.

 

Ich möchte an dieser Stelle bemerken, dass alle psychischen Kranheitsbilder und Belastungen immer mehrdimensional (Genetik, Prägung, Persönlichkeit, Erfahrungen) zu betrachten und nicht auf eindeutige Ursachen zurückzuführen sind. Oft spielt jedoch auch unsere Lebens- und Betrachtungsweise der Dinge eine erhebliche Rolle bei ihrer letztendlichen Entstehung oder Ausprägungsform.

 

Mütter können derart in ihrer Mutterrolle aufgehen, dass sie das Ehe- oder Gesellschaftsleben nur noch aus dem Augenwinkel verfolgen und

sich dabei auch selbst über das nötige Maß hinaus aus den Augen verlieren.

 

Ein Junggeselle fliegt Zeit seines Lebens von einer Blüte zur nächsten, gefangen zwischen Lust, Unabhängigkeit und Bindungsangst und kämpft mit einer inneren Rast- und Sinnlosigkeit, ohne es richtig zu bemerken.

 

Ein Familienvater hat alles erreicht, was er sich je erträumt hat: Ein Haus, zwei Autos, eine Frau, liebe Kinder, drei Familienurlaube im Jahr und die Aussicht auf materiellen Wohlstand auch jenseits seiner vierzigjährigen Berufstätigkeit.

 

Und doch fehlt etwas !

 

Unzufriedenheit, ein vages Gefühl der Belanglosigkeit, macht sich tief im Bauchraum breit,

das gerne und vielfältig unterdrückt wird,

weil es so schön einfach ist

und weil das Leben so schnell an einem vorbeirast

und weil jeder ALLES will

und auch ALLES bekommt,

was er will,

nur nicht das, was er wirklich braucht...

- Genuss, Autonomie, Wohlstand -

und wieder von vorn

...

und dennoch ist es da, dieses Gefühl der inneren Leere!

Eben weil noch etwas fehlt,

weil etwas außer Acht gelassen wurde beim vielen Essen, Lieben, Arbeiten und sich Sorgen,

das tiefer wirkt

und sich auf Dauer nicht ignorieren lässt.

 

Ist es nicht erstaunlich,

dass eigentlich jeder Mensch früher oder später auf die Frage nach dem SINN DES LEBENS zurückgeworfen wird?

Nach dem ganz eigenen Sinn des Lebens! Nach purem, individuellem EIGEN-Sinn!

Nach dem WOZU jedes morgendlichen Aufstehens, Atmens, Liebens und Schaffens, Geborenwerdens und Sterbens...

Egal wie rational, egozentrisch, realistisch oder bodenständig jemand ist,

früher oder später springt diese Frage in seinen Horizont und dann gibt es nur noch ein Vorher und Nachher.

Und manchmal weist uns halt die oben beschriebene zu lang andauernde Lebenseinseitigkeit dezent oder direkt auf die tiefere Dimension in unserem Leben hin. Man muss eigentlich nur hinsehen oder hinhören.

 

Doch wie füllt man diese große und mächtige Frage mit sinnvollen Antworten? Wo finde ich sie? Im Außen, in meiner Erziehung, Kultur und Religion, in der Schule, im Spielfeld des Alltags oder doch im Inneren, ganz tief in mir verborgen? Vielleicht muss ich nur tief genug graben und finde dann auf einmal den Sinn ganz unverstellt und klar in meinem Inneren?

 

Vielleicht! Vielleicht aber auch nicht...

 

Übergänge...

 

Egal, ob unverhofft oder absehbar. Übergänge und sogenannte Lebensschnittstellen können wichtige Wegweiser bei der Frage nach unserem Lebenssinn sein.

 

Trennungen, Verluste und Veränderungen können chaotische und dunkle Abgründe auftun, besitzen aber auch die unschlagbare Macht und Eigendynamik des "Zwischenraums", in dem jeder Wandel, jedes Weiterentwicklungspotenzial seinen ganz eigenen Zauber und Neuanfang entfalten kann.

 

In dieser Dynamik der ambivalenten Gefühlswelten und Unsicherheiten kann von Grund auf NEUES entstehen, sofern man es zulässt.

 

"Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte,

wo kämen wir hin,

und keiner ginge,

um zu sehen,

wohin wir kämen,

wenn wir gingen."

 

- KURT MARTI -

Was auch immer dich auf diese Seite geführt hat,

wir können darüber reden und gemeinsam etwas in deinem Geist zum Schwingen bringen...

 

Wir können reden, philosophieren, therapieren, simplifizieren, analysieren, komplizieren, im Wald spazieren, integrieren,

aber auch synthetisieren und uns aus deiner individuellen Lebensgeschichte heraus

- aus deinen vielfältigen Prägungen, Erinnerungen, Erfahrungen, Wünschen, Werten und Bedürfnissen -

ein buntes Netz aus Sinnmöglichkeiten für deine Gegenwart, deine Vergangenheit sowie deine Zukunft spinnen,

das dich tiefgehend beschreibt, bewegt und trägt.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Angelika Gerlach. Alle Rechte vorbehalten.

Anrufen

E-Mail